Ab 23. April: "Die Toten von Wolfenbüttel", eine Ausstellung über das Leben in der Frühen Neuzeit
Das Schloss Museum Wolfenbüttel zeigt vom 23. April bis 29. November 2026 die Sonderausstellung „Die Toten von Wolfenbüttel“. Anders, als es der Titel erahnen lässt, handelt die Ausstellung nicht vom Tod in der Frühen Neuzeit. Vielmehr beleuchtet die Schau das Leben der im 17. und 18. Jahrhundert auf dem Friedhof vor der Hauptkirche begrabenen Wolfenbütteler Oberschicht.
Die erstmalige wissenschaftliche Zusammenarbeit und Forschungsarbeit von Archäologie, Anthropologie und Geschichtswissenschaft brachte zum Teil Verblüffendes, Skurriles und Unerwartetes zu Tage – eine sehenswerte Auswahl der Ergebnisse ist im Museum zu sehen.
Im Frühsommer 2015 fanden nördlich der Wolfenbütteler Hauptkirche Beatae Mariae Virginis großflächige Straßenbauarbeiten statt. Im Zuge dieser Arbeiten wurde auch der alte Friedhof der Kirche gefunden und durch archäologische Ausgrabungen freigelegt. Von 1650 bis ins 18. Jahrhundert wurden hier in Erbbegräbnissen Wolfenbütteler Familien bestattet. Wie in Familiengrüften fanden Angehörige der Oberschicht in diesen Erdbestattungen, die bisher von keinem anderen Friedhof in Deutschland bekannt sind, ihre letzte Ruhe.
In einem einzigartigen Forschungsprojekt wurden in den folgenden Monaten die Gräber freigelegt, dokumentiert, geborgen und mehr als 80 Skelette untersucht. Dank eines Begräbnisbuchs mit Friedhofsplan aus dem Jahr 1747 konnten die unbekannten Toten anschließend identifiziert und die Ergebnisse der Untersuchungen mit historischen biografischen Quellen in Zusammenhang gebracht werden.
Die Forschung bringt Tote zum Sprechen
Durch die Zusammenarbeit von Archäologie, Anthropologie und Geschichtswissenschaft können nicht nur einzelne Lebensläufe nachgezeichnet und Familiengeschichten erzählt werden, sondern es ergeben sich auch neue Erkenntnisse über das Leben in Wolfenbüttel in der Frühen Neuzeit. Aus den anthropologischen und genetischen Analysen der Skelette können Aussagen zu den biologischen Lebensgeschichten, dem Gesundheitszustand und der Ernährungslage getroffen werden. Die archivalischen Quellen wie Prozessakten, Nachlassinventare, Leichenpredigten und Kirchenbücher geben Auskunft über das Leben nach dem Dreißigjährigen Krieg, über Liebe, Streit, Gewalt, Krankheit und Tod.
Die Rekonstruktion des Lebens
Das Schloss Museum Wolfenbüttel präsentiert in Zusammenarbeit mit der Anthropologin Dr. Bettina Jungklaus, der Historikerin und Archivarin Dr. Silke Wagener-Fimpel, die für die Erforschung der archivalischen Quellen verantwortlich zeichnet, und dem Bezirksarchäologen Tobias Uhlig eine Rekonstruktion des Lebens im Wolfenbüttel der Frühen Neuzeit. Anhand von Grabungsfunden, Originalmobiliar, Kupferstichen, Kirchenbüchern, seltenen Schriftquellen aus der Abteilung Wolfenbüttel des Niedersächsischen Landesarchivs und vieles mehr gewährt die Ausstellung ungeahnte Einblicke in das Leben der Toten von Wolfenbüttel.
In Kooperation mit dem Braunschweigischen Landesmuseum, dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, Braunschweig, der Universität Göttingen und der Arcontor Projekt GmbH.
- 23. April bis 29. November 2026
- Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 10 bis 17 Uhr, montags geschlossen