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Fritz Fischer, ein Leben für die Politik

In loser Folge präsentiert das Bürger Museum an dieser Stelle Ausstellungsstücke und Biografien, die neu in der Dauerausstellung zu sehen sind. Mit Fritz Fischer stellt das Museum einen Menschen vor, der seinen politischen Überzeugungen zeitlebens treu geblieben ist und dafür von den Nationalsozialisten brutal gefoltert und ermordet wurde.

Die Illustration des NS-Verfolgten Fritz Fischer (1891 bis 1933) an der Wand des Bürger Museums. © Stadt Wolfenbüttel
Die Illustration des NS-Verfolgten Fritz Fischer (1891 bis 1933) an der Wand des Bürger Museums.

Ein großes Portrait des KPD-Stadtverordneten Fritz Fischer befindet sich jetzt als Illustration an der Wand. Der folgende Text ist digital in den Bürgeralben im Museum nachzulesen. Dort werden auf Tablets die Biografien bekannter Wolfenbüttelerinnen und Wolfenbütteler von 1657 bis 2016 vorgestellt.

Fritz Fischer

Gründungsmitglied der KPD in Wolfenbüttel 1919, Stadtverordneter und Kreistagsabgeordneter, am 7. Juli 1933 von SS-Hilfspolizisten gefoltert, verstarb in der SA-Folterzentrale in Braunschweig.

Im Sommer 1933 eskalierte die Verfolgung politischer Gegner durch die Nationalsozialisten. Zu den ersten Todesopfern dieses Terrors gehörte der Wolfenbütteler Kommunist Fritz Fischer.

Fritz Fischer (1891–1933) zählte 1919 in Wolfenbüttel zu den Gründungsmitgliedern der Kommunistischen Partei Deutschlands und war in den Folgejahren als Kreistagsabgeordneter und Stadtverordneter einer der prominentesten Vertreter der politischen Linken vor Ort. Als kompromissloser Kommunist geriet er bereits in den 1920er-Jahren zur Zielscheibe rechter Angriffe. Obwohl Fritz Fischer bereits Ende 1932 wegen interner Streitigkeiten die KPD verlassen hatte, war er als früherer Chefredakteur und Herausgeber der lokalen Zeitung „Rotes Sprachrohr“ eines der ersten Opfer der extrem brutalen Verfolgung.

Als Vergeltungsmaßnahme für einen angeblich in Braunschweig von Kommunisten erschossenen SS-Mann, der allerdings nachweislich durch die Kugel eines anderen Angehörigen der Schutzstaffel ums Leben gekommen war, verhafteten Wolfenbütteler SS-Mitglieder in der Nacht des 6./7. Juli 1933 Fritz Fischer und 14 weitere Wolfenbütteler Kommunisten und führten sie in das Gebäude der NSDAP-Kreisleitung in der Mühlenstraße. Im Beisein des Kreisleiters Herbert Lehmann folterten SA und SS die Männer über viele Stunden, die Schreie der Gefolterten waren bis zum Wolfenbütteler Stadtmarkt zu hören. Alfred Perkampus verstarb dort in derselben Nacht. Fritz Fischer und Alfred Müller fanden am folgenden Vormittag den Tod, nachdem alle Gefangenen in die SS-Folterzentrale im Braunschweiger AOK-Gebäude abtransportiert worden waren. Die Leichname wurden heimlich in der Nähe des von den Nationalsozialisten beschlagnahmten Naturfreundehauses bei Helmstedt verscharrt.


Obwohl die Nationalsozialisten durch Gewalt und Terror fast jede Form von Widerstand in Wolfenbüttel gebrochen hatten, schrieb die Witwe Fritz Fischers, Luise Fischer, im Frühjahr 1934 an den Reichsminister des Innern in Berlin und erbat die Aufklärung des Verbleibs ihres Ehemannes. Die Auskunft, er sei am 13. Juli 1933 aus der Haft entlassen worden, bewertete sie als Schutzbehauptung und benannte alle an den Morden und Folterungen beteiligte SS-Männer sowie die 12 Überlebenden als Zeugen der Taten. Das eingeschaltete Reichsjustizministerium forderte das Braunschweigische Staatsministerium auf, über die örtlich zuständige Staatsanwaltschaft Ermittlungen einzuleiten.

Am Ende stellte das Reichsjustizministerium im Sommer 1934 seine Ermittlungen mit der Begründung ein, dass aufgrund der Aktenlage keine Aussicht auf Erfolg für die Eröffnung eines Verfahrens bestehe, zumal das Braunschweigische Amnestiegesetz über die Straffreiheit und die Niederschlagung von Strafsachen vom 12. Juni und 22. September 1933 keine Verurteilung der beteiligten Nationalsozialisten mehr möglich machte. Im Juni 1947 wurden die sterblichen Überreste von Fritz Fischer, Alfred Müller und Alfred Perkampus in Helmstedt exhumiert und in Wolfenbüttel nach einem von den Kommunisten der Stadt organisierten Trauerzug durch die Innenstadt beigesetzt. Heute erinnert ein Gedenkstein auf dem Friedhof Lindener Straße an diese Opfer nationalsozialistischer Gewalt.